Montag, Oktober 5 2026

Keine Gitarren, kein Schlagzeug, keine Fiddle und trotzdem soll es am Mittwoch im Volkshaus Zürich mächtig abgehen. Die amerikanische A-cappella-Countryband Home Free bringt ihre «Highways & High Seas Tour» in die Schweiz. THE STAGE hat vor dem Konzert mit Sänger Rob Lundquist gesprochen. Er verspricht einen Abend mit viel Country und einen Vorgeschmack auf das neue Album.

Wer Home Free nur als klassische A-cappella-Gruppe einordnet, dürfte am Mittwochabend ziemlich schnell eines Besseren belehrt werden. Wenn die fünf Amerikaner am 7. Oktober im Volkshaus Zürich auf der Bühne stehen, wollen sie einen Sound erzeugen, der es problemlos mit einer kompletten Countryband aufnehmen kann. Einer, der die Entwicklung von Home Free fast von Anfang an miterlebt hat, ist Rob Lundquist. Er stiess 2008 zur Gruppe. Damals war Home Free noch weit entfernt von internationalen Tourneen und grossen Konzertsälen. «Als ich 2008 anfing, war Home Free noch ein Teilzeitjob», erinnert sich Lundquist im Gespräch mit THE STAGE. Die Mitglieder hätten daneben andere Jobs gehabt. Er selbst arbeitete als Barkeeper und Barista und nahm sich jeweils frei, wenn Home Free irgendwo einen Auftritt hatte.

Der Moment, der alles veränderte

Der entscheidende Wendepunkt kam 2013 mit der Teilnahme an der NBC-Castingshow The Sing-Off. Home Free gewann die vierte Staffel und plötzlich war aus dem Nebenprojekt ein Vollzeitjob geworden. Statt Van und Anhänger gab es Tourbus und Crew. Heute zählt die Gruppe laut Veranstalter mehr als 860 Millionen YouTube-Aufrufe und über 1,8 Millionen Abonnenten.

«Wir hätten nie gedacht, dass wir gewinnen. Unser Ziel war eigentlich nur, nicht als Erste rauszufliegen. Und dann haben wir tatsächlich gewonnen. Aber ungefähr nach der vierten oder fünften Show dachte ich: Wow, das könnte für uns wirklich alles verändern.»

Lundquist schrieb damals sogar seinem Arbeitgeber, dass er wohl nicht mehr zurückkommen werde. Er sollte recht behalten.

«Wir brauchen kein zurückhaltendes Publikum»

Mittlerweile tourt Home Free regelmässig durch Europa. Die aktuelle «Highways & High Seas Tour» führt die Band durch 14 europäische Städte. Und Lundquist macht keinen Hehl daraus, dass Home Free besonders gerne vor europäischen Fans spielt.

«Die Energie des europäischen Publikums ist unglaublich. Für uns ist das mit kaum einem anderen Publikum auf der Welt vergleichbar. Die Leute stehen auf, singen mit uns und tanzen. Wir brauchen kein zurückhaltendes Publikum. Wir mögen es wild und ausgelassen.»

Zürich darf sich also angesprochen fühlen. Der Titel der Tour verbindet dabei zwei Welten von Home Free. «Highways» steht für das Leben unterwegs und die vielen Tourkilometer, «High Seas» verweist auf das 2025 veröffentlichte Album Challenge the Sea. Entsprechend mischt die Band auf der aktuellen Tour Sea Shanties und Folksongs mit jenen Country-Nummern, mit denen Home Free bekannt geworden ist.

Wo sind die Gitarren?

Genau hier liegt das Besondere an Home Free. Country ohne Gitarre, Bass, Drums oder Fiddle? Was zunächst nach einem ziemlich gewagten Experiment klingt, funktioniert bei den fünf Amerikanern erstaunlich gut. Ein Grund dafür ist laut Lundquist, dass Countrymusik ohnehin stark von mehrstimmigem Gesang lebt. Dazu kommt Vocal Percussion von Adam Rupp und inzwischen arbeitet Home Free live auch mit Loop Stations.

«Countrymusik eignet sich hervorragend für mehrstimmigen Gesang. Sehr oft gibt es dreistimmige Harmonien. Dazu haben wir mit Adam Rupp einen der besten Beatboxer der Welt. Inzwischen setzen wir bei unseren Shows auch Loop Stations ein.»

Auch bekannte Songs werden dabei nicht einfach eins zu eins nachgesungen. Home Free sucht bewusst nach einer eigenen Interpretation. Johnny Cashs Ring of Fire etwa bekam einen Reggae-Einschlag. Mal funktioniert ein Experiment, mal nicht. Lundquist spricht ganz offen von «trial and error».

Neues Album und Zürich hört schon vorab Songs daraus

Besonders spannend für das Schweizer Konzert: Nur neun Tage nach dem Auftritt in Zürich erscheint am 16. Oktober das neue Album «90’s Country Mixtape, Vol. 1». Darauf nimmt sich Home Free sieben Countryhits der 1990er-Jahre vor, darunter I’m in a Hurry (And Don’t Know Why), Something to Talk About, Achy Breaky Heart, No One Needs to Know und My Maria. Die Auswahl kommt nicht von ungefähr. Die Mitglieder der Band seien in den 80er-Jahren geboren und in den 90ern aufgewachsen, erzählt Lundquist. Genau diese Zeit habe ihren musikalischen Geschmack geprägt. Und er verrät THE STAGE noch etwas: Das Zürcher Publikum muss nicht bis zum Albumrelease warten.

«Einige unserer liebsten Countrysongs stammen aus den 90er-Jahren. Es gibt so viele gute Country-Songs aus dieser Zeit, dass wir jetzt Volume 1 machen und weitere Teile werden folgen. In Zürich werden auf jeden Fall Songs daraus zu hören sein. Wir spielen mindestens zwei, vielleicht sogar drei Stücke vom neuen Album.»

Damit bestätigt Lundquist gleichzeitig, dass «Vol. 1» tatsächlich Programm ist und weitere Ausgaben geplant sind. Sein persönlicher Favorit des neuen Albums? Schwierig, sagt er. Besonders gut gefalle ihm aber, was Home Free aus Billy Ray Cyrus‘ Achy Breaky Heart gemacht habe. Ebenfalls angetan ist er von Adam Bastiens Interpretation des Shania-Twain-Songs No One Needs to Know.

«It’s a party»

Und was erwartet nun jemanden, der Home Free noch nie live gesehen hat? Lundquist muss nicht lange überlegen. Es ist vor allem die schiere Klangfülle, die fünf menschliche Stimmen erzeugen können. Wenn Bass Tim Foust seine tiefsten Töne auspackt und Adam Rupp gleichzeitig das Schlagzeug ersetzt, soll man den Sound im Volkshaus nicht nur hören. Man soll ihn spüren.

«Ich glaube, viele werden überrascht sein, wie viel Sound wir mit nur fünf Stimmen erzeugen können. Wenn Tim die tiefen Töne singt und Adam Rupp beatboxt, spürt man die Bässe richtig in der Brust. Wir nehmen uns selbst nicht allzu ernst. Wir wollen eine gute Zeit haben. Es ist eine Party.»

Home Free – Highways & High Seas Tour
Mittwoch, 7. Oktober 2026
Volkshaus Zürich
Türöffnung: 19 Uhr | Konzert: 20 Uhr

Tickets gibt es bei Ticketmaster

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Autor

Thomas Hobi

führt gerne Interviews und moderiert die Sendung Country Rocks.

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