Donnerstag, August 20 2026

Aaron Goodvin kommt ans Country Festival Kandertal und bringt weit mehr mit als seinen internationalen Line-Dance-Hit «Lonely Drum». Im Gespräch mit THE STAGE erzählt der kanadische Sänger und Songwriter, wie ein Spass-Song die Welt eroberte, warum er sich in Nashville nicht mehr mit anderen vergleicht und wie das Vatersein seine Musik verändert hat.

Für Aaron Goodvin ist die Schweiz kein völlig unbekanntes Terrain. Zwar steht er erstmals auf der Bühne des Country Festival Kandertal, doch das Land kennt er bereits. Und offenbar hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er freue sich sehr auf die Rückkehr in die Schweiz, sagt Goodvin. Er liebe die Menschen, die Atmosphäre und vor allem die Gelegenheit, hier Musik zu spielen. Beste Voraussetzungen also für seinen Auftritt im Kandertal. Doch wer Aaron Goodvin sagt, kommt an einem Song kaum vorbei: «Lonely Drum».

Ein Song, der plötzlich um die Welt ging

Was ursprünglich einfach als lockerer, unterhaltsamer Country-Song gedacht war, entwickelte sich international zu einem echten Phänomen. Besonders in der Line-Dance-Szene wurde «Lonely Drum» zu einem Song, den Country-Fans rund um den Globus kennen.

🎧 Audio: «Lonely Drum hat einfach die Welt erobert.»

«Lonely Drum ist ein Geschenk. Der Song hat einfach die Welt erobert. So etwas kann man nicht planen. Man versucht kreativ zu sein, man selbst zu sein und Musik zu machen, die einen selbst berührt. Und dann hofft man, dass sie auch andere Menschen erreicht. Wir wollten überhaupt keinen Line-Dance-Song schreiben. Es war einfach ein lustiger Song. In Kanada kennt eigentlich kaum jemand den Line Dance dazu. Dort kennen die Leute den Song, weil er im Radio lief und ein grosser Hit war. Überall sonst auf der Welt ist er dagegen vor allem ein Line-Dance-Song geworden. Das ist unglaublich. Wir machen Musik, um Freude zu verbreiten. Und es ist grossartig, was dieser Song in den vergangenen zehn Jahren erreicht hat.»

Dass ausgerechnet ausserhalb Kanadas der Tanz fast so bekannt wurde wie der Song selbst, amüsiert Goodvin. Und vielleicht ist genau das ein Teil des Erfolgs: «Lonely Drum» nimmt sich nicht zu ernst. Goodvin selbst bezeichnet den Titel später im Gespräch sogar als seinen «Gateway Song» – als Einstieg in seine musikalische Welt. Wer ihn bislang nicht kennt, solle mit «Lonely Drum» anfangen. Gleichzeitig betont er aber: «Hinter Aaron Goodvin steckt deutlich mehr als die humorvolle Seite, die dieser Song zeigt.»

Songs für Luke Bryan, Cole Swindell und Jon Pardi

Goodvin ist nicht nur Sänger und Performer, sondern vor allem auch Songwriter. Und seine Songs sind längst nicht ausschliesslich auf seinen eigenen Alben gelandet. Unter anderem haben Künstler wie Luke Bryan, Cole Swindell und Jon Pardi Songs von ihm aufgenommen. Für Goodvin ist das keineswegs ein Problem – im Gegenteil.

🎧 Audio: «Wenn andere meine Songs aufnehmen, ist das das grösste Kompliment.»

«Ich liebe es einfach, Songs zu schreiben. Wenn jemand anderes einen davon aufnehmen möchte, jemand wie Luke Bryan, Cole Swindell oder Jon Pardi, dann finde ich das grossartig. Ich mag all diese Künstler und sie haben unglaubliche Karrieren. Wenn sie einen meiner Songs nehmen und ihn auf ihre eigene Art interpretieren, ist das für mich das grösste Kompliment und gleichzeitig eine enorme Bestätigung. Meine Karriere als Songwriter hat mir unglaublich viele Möglichkeiten eröffnet. Ich sage oft, dass ich eine Karriere daraus gemacht habe, Songs aufzunehmen, die sonst niemand aufgenommen hat. Ich liebe es einfach, Songs zu schreiben.»

Dieses Selbstverständnis als Songwriter prägt Goodvin bis heute. Der Erfolg als Interpret scheint dabei fast eine natürliche Verlängerung davon zu sein. Erst entsteht der Song und dann stellt sich die Frage, wer ihm am Ende seine Stimme gibt.

Nashville und die Gefahr des Vergleichens

Ein entscheidender Schritt in Goodvins Karriere war der Umzug von Kanada nach Nashville. Wer dort versucht, als Songwriter Fuss zu fassen, bewegt sich in einem Umfeld voller aussergewöhnlicher Musiker, Sänger und Autoren. Und genau darin lag für Goodvin eine seiner wichtigsten Lektionen.

🎧 Audio: «In Nashville darfst du dich nicht ständig mit anderen vergleichen.»

«Die wichtigste Lektion, die ich in meinen frühen Jahren gelernt habe, war, den Kopf unten zu behalten und mich auf mich selbst zu konzentrieren. In Nashville neigt man schnell dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Aber das Beste, was man tun kann, ist, auf sich selbst zu schauen: Wirst du besser? Werden deine Songs besser? Um diese grundlegenden Dinge geht es. Ich habe gelernt, indem ich es einfach gemacht habe. Ich war nie auf einem College, um Songwriting zu studieren. Ich bin einfach jeden Tag in den Raum gegangen und habe versucht, dort den besten Song zu schreiben. Das hat meiner Karriere unglaublich viel gebracht.»

Keine Schule, kein theoretischer Masterplan. Goodvins Ausbildung bestand aus täglichem Schreiben. Eine Haltung, die erstaunlich gut zu seiner gesamten Karriere passt: ausprobieren, besser werden, weitermachen.

Vatersein verändert auch die Songs

Mittlerweile gibt es in Aaron Goodvins Leben allerdings etwas, das wichtiger geworden ist als Nashville, Charts oder Streamingzahlen: seine Familie. Das Vatersein bezeichnet er als eine der grossartigsten Erfahrungen seines Lebens. Gleichzeitig macht es das Tourleben nicht unbedingt einfacher.

🎧 Audio: «Vater zu sein ist das Coolste, was ich je gemacht habe.»

«Vater zu werden, hat mein Leben unglaublich verändert. Vater zu sein ist wahrscheinlich das Coolste, was ich je gemacht habe. Nichts erfüllt mein Herz mehr als das. Unterwegs zu sein, ist jetzt allerdings viel schwieriger. Früher habe ich meiner Frau einen grossen Abschiedskuss gegeben und gesagt: Bis später. Jetzt ist es noch viel schwerer zu gehen, wenn zwei Mädchen da sind, die ich zum Abschied küssen muss. Natürlich hat das auch mein Songwriting verändert, so wie jede grosse Veränderung im Leben. Man entwickelt sich als Mensch weiter, und ich schreibe meine Songs aus dem Herzen. Deshalb ist klar, dass das Vatersein auch verändert, wie ich Songs schreibe. Hoffentlich zum Besseren.»

Es ist einer der persönlichsten Momente des Gesprächs. Gerade weil Goodvin nicht versucht, daraus eine grosse Geschichte zu machen. Neue Lebensrealitäten führen zu neuen Gefühlen und wer aus dem Herzen schreibt, schreibt automatisch anders.

Auf der Bühne zählt die Verbindung

So nachdenklich Goodvin über Familie und Songwriting spricht, so eindeutig ist seine Vorstellung von einem Konzert. Ein Aaron-Goodvin-Auftritt soll Spass machen. Seine Shows beschreibt er selbst als «one big party». Entscheidend sei dabei nicht nur das, was auf der Bühne passiert, sondern die Verbindung zum Publikum. Genau diese Nähe habe ihm während der Corona-Zeit besonders gefehlt. Ein Konzert müsse die Menschen durch unterschiedliche Emotionen führen und mit einem Knall enden. Goodvin will nicht einfach seine Songs spielen. Er will gemeinsam mit dem Publikum einen Abend erleben. Damit dürfte das Country Festival Kandertal ziemlich genau das richtige Umfeld für ihn bieten.

Warum Country plötzlich überall ist

Dass Country Music derzeit weit über ihre traditionelle Fangemeinde hinaus neue Hörerinnen und Hörer findet, überrascht Goodvin nicht. Für ihn liegt ein entscheidender Grund in der zunehmenden musikalischen Vielfalt des Genres.

🎧 Audio: «Country Music kann heute sehr vieles sein.»

«Ich glaube, Country Music ist heute populärer, weil sie sich in so viele unterschiedliche Subgenres entwickelt hat. Country Music kann heute sehr vieles sein. Künstler wie Morgan Wallen haben Hip-Hop-Einflüsse ins Genre gebracht. Gleichzeitig gibt es jemanden wie Zach Top, der den alten Country-Sound zurückbringt. Country ist heute einfach sehr vielfältig. Und genau deshalb bekommt das Genre so viel Aufmerksamkeit. Es gibt viel mehr Fans als früher, und ich finde das grossartig. Ich habe schon als Kind nie verstanden, warum nicht einfach jeder Country Music liebt. Für mich war das irgendwie selbstverständlich. Ich liebe es, dass Country wächst und kulturell immer populärer wird.»

Zwischen modernen Einflüssen und traditionellem Sound sieht Goodvin also keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Gerade die Bandbreite zieht neue Fans an. Es ist eine Entwicklung, die inzwischen auch in Europa deutlich zu spüren ist.

«Lonely Drum» ist erst der Anfang

Und welcher Song eignet sich nun am besten, wenn jemand Aaron Goodvin zum ersten Mal entdeckt? Die Antwort fällt wenig überraschend aus: «Lonely Drum». Goodvin nennt ihn seinen «Gateway Song». Der Titel habe ihm enorm viele Türen geöffnet und sei mittlerweile grösser geworden als er selbst. Aber er fügt einen wichtigen Satz hinzu: «I’m a lot more than that.» – «Ich bin viel mehr als das.»

«Lonely Drum» zeige vor allem seine verspielte, humorvolle Seite. Wer tiefer in seine Musik eintauche, werde noch vieles andere entdecken. Und genau das könnte auch die passende Einladung für seinen Auftritt im Kandertal sein. Man darf zu «Lonely Drum» tanzen. Aber man sollte danach vielleicht noch ein wenig länger zuhören.

Hier kannst du mehr von Aaron Goodvin hören:

Das Country Festival Kandertal 2026 in Kürze

Das Country Festival Kandertal findet vom 14. bis 16. August 2026 auf der Bahnhofmatte in Kandersteg statt. Drei Tage lang stehen Live-Country, Line Dance und Western-Atmosphäre vor der Kulisse der Berner Alpen im Mittelpunkt.

Freitag, 14. August: Heinz Flückiger & The Cool Bunch mit Special Guests, Buddy Dee & The Ghostriders mit Special Guests sowie die einmalige Wiedervereinigung der Original Swiss Highwaymen.

Samstag, 15. August: Nashville Rebels & Special Guest sowie Aaron Goodvin & Band. Goodvin steht um 22 Uhr auf der Hauptbühne im Festzelt.

Sonntag, 16. August: Country-Gottesdienst, Brunch, Live-Musik, Line Dance sowie Kids & Family Day und ein US Classic Car & Bike Meeting.

📍 Bahnhofmatte, 3718 Kandersteg
📅 14. – 16. August 2026
🎟️ Tagestickets ab CHF 40.–, Samstag mit Aaron Goodvin CHF 60.–.
🌐 countrykandertal.ch

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Autor

Thomas Hobi

führt gerne Interviews und moderiert die Sendung Country Rocks.

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