Dolly Parton ist tot. Die amerikanische Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin ist am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren in Nashville gestorben. Das bestätigt ihre offizielle Webseite. Mit Dolly Parton verliert die Countrywelt nicht einfach einen ihrer grössten Stars. Sie verliert eine Künstlerin, die das Genre während Jahrzehnten geprägt und weit über seine Grenzen hinausgetragen hat. Songs wie «Jolene», «9 to 5», «Coat of Many Colors» oder «I Will Always Love You» gehören längst zur amerikanischen Musikgeschichte.
Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 in Tennessee geboren und wuchs als eines von zwölf Kindern in einfachen Verhältnissen in den Smoky Mountains auf. Musik gehörte früh zu ihrem Leben. Bereits als Kind begann sie Songs zu schreiben, mit zehn Jahren trat sie in lokalen Radio- und Fernsehsendungen auf und mit 13 stand sie erstmals auf der Bühne der Grand Ole Opry. Nach der Schule zog sie nach Nashville. Der grosse Durchbruch kam Ende der 1960er-Jahre mit der «Porter Wagoner Show». Aus der musikalischen Partnerschaft mit Wagoner entwickelte sich eine erfolgreiche Solokarriere und eine der bemerkenswertesten Geschichten der Countrymusik. Denn Dolly Parton war nie einfach nur Sängerin. Im Zentrum ihres Schaffens stand das Songwriting. Sie schrieb über ihre Kindheit, über Armut und Familie, über Beziehungen, Abschied und Selbstbestimmung. Dabei schaffte sie etwas, das nur wenigen gelingt: Ihre Geschichten waren persönlich und gleichzeitig universell.
«Jolene»: Vier Akkorde für die Ewigkeit
Kaum ein Song steht so sehr für Dolly Parton wie «Jolene». 1973 aufgenommen und 1974 veröffentlicht, wurde die eindringliche Bitte an eine andere Frau, ihr den eigenen Mann nicht wegzunehmen, zu einem ihrer Markenzeichen. Jahrzehnte später wird der Song noch immer neu interpretiert und von Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Genres aufgenommen. Ähnlich aussergewöhnlich ist die Geschichte von «I Will Always Love You». Parton schrieb das Lied nicht als klassische Liebeserklärung, sondern als Abschied von Porter Wagoner, als sie sich beruflich von ihm lösen wollte. Ihre eigene Aufnahme wurde 1974 zum Country-Hit. 1992 nahm Whitney Houston den Song für den Film «The Bodyguard» neu auf und machte Partons Komposition zu einem weltweiten Pop-Phänomen.
Country war ihr Zuhause, aber nie ihre Grenze
Dolly Parton blieb der Country Music verbunden und liess sich gleichzeitig nie auf sie reduzieren. Mit «Here You Come Again» gelang ihr Ende der 1970er-Jahre der erfolgreiche Schritt in Richtung Pop. «9 to 5» wurde 1980 nicht nur zu einem weiteren Hit, sondern zum Titelsong des gleichnamigen Films, in dem Parton neben Jane Fonda und Lily Tomlin eine der Hauptrollen spielte. Weitere Filme wie «The Best Little Whorehouse in Texas» und «Steel Magnolias» folgten. Später erreichte sie mit Auftritten in Film und Fernsehen immer wieder neue Generationen. Und ihre Karriere blieb bis zuletzt erstaunlich lebendig. 2022 wurde Parton in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 2023 veröffentlichte sie mit «Rockstar» ihr erstes eigentliches Rockalbum. Selbst in ihrem 80. Lebensjahr war musikalisch kein Stillstand zu spüren. Anfang 2026 veröffentlichte sie gemeinsam mit Lainey Wilson, Miley Cyrus, Queen Latifah und Reba McEntire eine neue Version ihres Klassikers «Light of a Clear Blue Morning». Der Song schaffte es erneut in die Billboard-Country-Charts – 60 Jahre nach Partons erster Beteiligung an einem Billboard-Country-Hit. Erst am 19. August, wenige Tage vor ihrem Tod, wurden zudem 82 neue internationale Gold-, Platin- und Diamant-Auszeichnungen für ihr musikalisches Werk bekannt gegeben.
Mehr als 60 Jahre Musikgeschichte
Die Zahlen hinter ihrer Karriere sind eindrücklich. Parton schrieb Hunderte Songs, ihre Musik verkaufte sich weltweit mehr als 100 Millionen Mal. Sie gewann elf Grammy Awards und wurde 1999 in die Country Music Hall of Fame aufgenommen. Hinzu kamen unter anderem zehn Auszeichnungen der Country Music Association und der Grammy Lifetime Achievement Award. Doch Zahlen erklären nur einen Teil des Phänomens Dolly Parton. Sie entwickelte über Jahrzehnte eine Kunstfigur aus riesigen blonden Perücken, Strass, hohen Absätzen und einem unverwechselbaren Südstaaten-Akzent und machte sich gleichzeitig immer wieder selbst darüber lustig. Hinter dieser bewusst überzeichneten Erscheinung stand eine kluge Geschäftsfrau, die die Kontrolle über ihre Songs und ihre Karriere nie leichtfertig aus der Hand gab. Ein berühmtes Beispiel dafür ist «I Will Always Love You». Elvis Presley wollte den Song aufnehmen. Parton lehnte ab, nachdem Presleys Manager Colonel Tom Parker einen Teil der Verlagsrechte verlangte. Jahrzehnte später erwies sich diese Entscheidung spätestens mit Whitney Houstons Welterfolg als ausserordentlich wertvoll.
Millionen Bücher für Kinder
Partons vielleicht grösstes Vermächtnis ausserhalb der Musik begann 1995. Inspiriert von ihrem Vater, der nicht lesen und schreiben konnte, gründete sie in ihrer Heimatregion die «Imagination Library». Das Prinzip ist einfach: Kinder erhalten kostenlos und regelmässig altersgerechte Bücher nach Hause geschickt. Aus dem lokalen Projekt wurde eine internationale Initiative. Nach Angaben ihrer Organisation ist die Imagination Library mittlerweile in fünf Ländern aktiv und verschickt monatlich mehr als zwei Millionen kostenlose Bücher an Kinder. Auch ihre Heimat Tennessee verliess Parton trotz ihres weltweiten Erfolgs nie wirklich. Mit Dollywood entstand in den Smoky Mountains ein Freizeitpark, der eng mit ihrem Namen verbunden ist und zu einem wichtigen touristischen Anziehungspunkt der Region wurde.
Ein Leben, das bis zuletzt in Bewegung blieb
Noch wenige Tage vor ihrem Tod wurde Dolly Parton für neue Erfolge ihrer Musik ausgezeichnet. Gleichzeitig standen bereits die nächsten Projekte bevor: Das von ihr mitgeschriebene Musical «Dolly: A True Original Musical», das ihre eigene Lebensgeschichte erzählt, soll im Dezember 2026 am Broadway Premiere feiern. Ihr Ehemann Carl Dean, den sie 1966 geheiratet hatte und der sich während ihrer gesamten Karriere weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushielt, war im März 2025 gestorben. Die beiden waren fast 60 Jahre verheiratet. Dolly Parton hinterlässt weit mehr als eine beeindruckende Diskografie. Sie zeigte, dass man tief in der Tradition der Countrymusik verwurzelt sein und trotzdem musikalische, gesellschaftliche und generationelle Grenzen überwinden kann. Vielleicht liegt genau darin ihre aussergewöhnliche Bedeutung: Man musste Country nicht lieben, um Dolly Parton zu mögen.
Die Frau mit den grossen Haaren, dem noch grösseren Humor und einigen der schönsten Songs der Country-Geschichte ist gegangen. Ihre Geschichten bleiben.
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